1841-44: Bau der Heilandskirche
1961: Zerstörung des Innenraums durch DDR-Grenztruppen
1993-1995: Restaurierung

Vorgängerbauten der Heilandskirche

Über die erste Sacrower Kirche ist wenig bekannt. Das aus Feldsteinen gemauerte Gotteshaus stand mitten im Ort und verfiel höchstwahrscheinlich während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648). Die erstmalige Erwähnung findet sich in Aufzeichnungen aus dem Jahr 1661, als der Pfarrer aus Fahrland für die seelsorgerische Betreuung der Gemeinde zuständig war.

An selbiger Stelle wurde 1694 eine Fachwerkkirche errichtet, unter der sich noch das Gruftgewölbe des Vorgängerbaus befand.

Der von 1774 bis 1794 amtierende Fahrländer Pastor Johann Andres Moritz gibt in seinen Tagebuchaufzeichnungen detaillierte Einblicke in das Leben des Dorfes und der wechselnden Besitzer des 1774 erbauten Gutshauses. In Theodor Fontanes „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ werden diese Aufzeichnungen im wesentlichen wörtlich wiedergegeben. Pfarrer Moritz schrieb 1790 auch seine ablehnenden Gefühle nieder, die er gegenüber der kümmerlichen Pfarre hatte (Wiedergabe von Fontane): Meine Pfarre ist eine beschwerliche Pfarre. Sakrow (nur Filial) liegt eine Meile ab ... es ist in allem betrachtet ein verdrießlich Filial, und doch muß ich es alle 14 Tage bereisen. Gott! Du weißt es, wie ich dann ... bis Abend fahren und reden muß, wie sauer es mir jetzt wird ... Nach dem Tod des Pfarrers Moritz kam die Sacrower Gemeinde 1794 in die Obhut der Potsdamer Nikolaikirche und ab 1808 wieder zu Fahrland.

Die kleine Fachwerkkirche war seit 1813 unbenutzbar und musste wegen Baufälligkeit 1822 abgerissen werden. Die christliche Gemeinde richtete daraufhin einen Betsaal in einem Haus nahe des Herrenhauses, des späteren Schlosses, ein, in dem bis zur Fertigstellung der Heilandskirche 1844 die Gottesdienste stattfanden.

Bau der Heilandskirche

Im Laufe der Jahrhunderte wechselte das Dorf Sacrow mit den dazugehörenden Ländereien häufig den Besitzer. Im Oktober 1840 erwarb Friedrich Wilhelm IV. das Gut für 60.000 Taler und überwies es als Domäne im November desselben Jahres an die Königliche Regierung in Potsdam. Schon weit vor dem Kauf skizzierte der König Kirchenbauten für Sacrow. Für einen Neubau geeignet schien eine Bucht, ein Port, in der die Havelfischer bei Sturm mit ihren Booten Schutz suchten. Für den hochreligiösen Monarchen war dies ein Ort mit Symbolcharakter: das Kirchenschiff als „Bollwerk“ gegen die Stürme des Lebens. Das Kirchensiegel weist mit seiner lateinischen Umschrift darauf hin: S. Ecclesiae sanctissimi Salvatoris in portu sacro (Kirche des heilbringenden Erlösers im heiligen Hafen).

Der Hofarchitekt Ludwig Persius, unterstützt durch seinen engsten Mitarbeiter Ferdinand von Arnim, der mit der örtlichen Bauleitung beauftragt war, setzte die vom König vorgefertigten Skizzen in die für ihn typische klare Bauform um. Die in das Wasser hineinragende Heilandskirche vermittelt tatsächlich den Eindruck eines vor Anker liegenden Schiffes am Ufer der Havel. Diese Bauweise, auf einem Pfahlrost aus Eichenstämmen gegründet, verschlang ein Drittel der Gesamtbaukosten von 45.234 Talern und 27 Silbergroschen. Das Schloss wurde zum Predigerhaus für die Heilandskirche. Nach dem Baubeginn im Jahr 1841 fand die feierliche Einweihung bereits nach drei Jahren am 21. Juli 1844 statt.

Der Gartenkünstler Peter Joseph Lenné gestaltete nach 1842 das Gelände um das Kirchengebäude, die Bucht, den Park des Schlosses Sacrow und eines 1843/44 von Ludwig Persius im italienischen Stil umgebauten Fährpächter- und Gasthauses „Zum Doctor Faustus“, das auf dem Areal weiter östlich stand. Lenné schuf, wie in seinen Anlagen üblich, breite Spazierwege und weite Sichtachsen zu den Parkanlagen Glienicke, Babelsberg, dem Neuen Garten und der Stadt Potsdam. Der über 24 ha große Sacrower Park wurde in seine landschaftsgärtnerische Umgestaltung der Potsdamer Havellandschaft einbezogen.

Nach der Einweihung am 21. Juli 1844 blieb Sacrow nur vier Jahre eine eigenständige Kirchengemeinde, wurde dann von dem Geistlichen der Friedenskirche betreut und ab 1859 Bornstedt zugeordnet. Einen weiteren Wechsel gab es 1870, als die Pfarrei der Heilandskirche mit der Parochie Klein Glienicke (später zu Neubabelsberg) und der Kirche St. Peter und Paul auf Nikolskoje, sowie der Ortschaft Stolpe (heute zu Berlin-Wannsee) zusammengelegt wurde.

Zerstörung und Restaurierung nach 1945

Der Bau der Berliner Mauer im August 1961 führte im Laufe der darauffolgenden Jahrzehnte zur fast vollständigen Zerstörung der Heilandskirche. Die deutsch-deutsche Grenze verlief direkt über das Kirchengelände und der Campanile wurde zum Bestandteil der Sperrmauer gemacht, indem man die hohen Betonplatten an den Glockenturm ansetzte. Das Kirchengebäude stand nun im „Niemandsland“ Richtung West-Berlin. Trotz dieser Umstände fanden noch bis Heilig Abend 1961 regelmäßig Gottesdienste statt. Wenige Tage später wurde das Innere der Heilandskirche, die auf von DDR-Grenztruppen scharf bewachtem Gebiet stand, mit einiger Sicherheit durch die Grenztruppen zerstört und so die weitere Nutzung unmöglich gemacht. Die Grenzbehörden suchten und fanden damit einen Vorwand, die Kirche vollständig abzuriegeln, um eventuelle Fluchtversuche aus diesem Grenzabschnitt zu verhindern.

Als nach Jahren der ruinöse äußere Zustand der Kirche auch von der West-Berliner Uferseite nicht mehr zu übersehen war, versuchten West-Berliner auf politischem Wege den weiteren Verfall aufzuhalten. Durch die Initiative des damaligen Regierenden Bürgermeisters von West-Berlin, Richard von Weizsäcker, und nach langwierigen Verhandlungen zwischen kirchlichen Stellen und den zuständigen Regierungsstellen der DDR, konnte 1984/85 das Äußere des Kirchengebäudes wiederhergestellt werden. Die Spendengelder der Stiftung Tagesspiegel und des West-Berliner Senats sollen bei den beauftragten Potsdamer Firmen jedoch nicht angekommen sein.

Nach dem Fall der Mauer wurde am Heiligen Abend 1989, nach knapp drei Jahrzehnten, wieder ein Gottesdienst gehalten. Der zu diesem Zeitpunkt noch zerstörte Innenraum der Heilandskirche erhielt nach aufwändiger Restaurierung in den Jahren 1993–1995 sein heutiges Bild. Die Voruntersuchungen dafür begannen bereits 1990. Die mit dieser Aufgabe betrauten Architekten konnten in Zusammenarbeit mit der Denkmalbehörde und dem kirchlichen Bauamt nach einigen noch vorhandenen zeichnerischen Unterlagen und Schwarz-Weiß-Fotos architektonische Details rekonstruieren und den Originalzustand weitestgehend wiederherstellen. Die Konsolen unter den Apostelstatuetten sind jedoch nach historischen Vorbildern frei nachgebildet und auch die ursprüngliche Reihenfolge der aufgestellten Apostelfiguren war nicht mehr feststellbar.

Von Peter Joseph Lennés gestalteter Gartenfläche waren acht Hektar im Zuge der Grenzbefestigung völlig zerstört und der Park durch die Errichtung von Garagen, Hundezwingern und dem Nachbau einer typischen Grenzübergangsstelle für die Ausbildung der Zollhunde zweckentfremdet worden. Die Wiederherstellung des Areals gelang ab 1994.

Seit Auflösung der Pfarrstelle 1977 gehört die Gemeinde zum Pfarrsprengel der Potsdamer Pfingstkirchengemeinde und seit Wiederherstellung im Jahr 1995 finden regelmäßig Gottesdienste und Konzerte in der Heilandskirche statt.

  

(Dieser Text basiert auf dem Artikel „Heilandskirche am Port von Sacrow“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.)